Heft Nr. 28, Dezember 2007

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Wildnis für Kinder im Ballungsraum war Thema einer Fachtagung der NUA.

Foto: Biologische Station Östliches Ruhrgebiet / Jürgen Heuser

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Aus der NUA

Schwerpunkte Biodiversität und Klimawandel

NUA-Bildungsprogramm 2008
Vom 19. bis 30. Mai 2008 ist Bonn Schauplatz der 9. UN-Naturschutzkonferenz, zu der über 150 Delegationen mit voraussichtlich mehr als 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus aller Welt erwartet werden. Als Gastgeberland plant das Land Nordrhein-Westfalen eigene Beiträge und Aktionen für den Erhalt biologischer Vielfalt. Das Thema „Biodiversität“ steht deshalb im Jahr 2008 im Mittelpunkt des Bildungsprogramms der NUA. So koordiniert die NUA im Auftrag des MUNLV die IUCN-Kampagne „Countdown 2010“ in NRW. Den Anfang bildete im November 2007 eine Auftaktveranstaltung im NUA-Tagungshaus mit über 50 Partnern aus Gesellschaft und Staat, in welcher das Land NRW zusammen mit diesen seinen Beitritt zur IUCN-Kampagne „Countdown 2010“ erklärte.

Das NUA-Jahresprogramm 2008 widmet sich zudem ver stärkt Umweltthemen wie Klimawandel, Altlasten und Immissionsschutz, womit die NUA ihr Themenspektrum wirkungsvoll erweitert. Die Themenerweiterung ergibt sich durch die im Januar 2007 vollzogene Zusammenlegung der Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutzaufgaben im neu eingerichteten Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) und der Einbindung der NUA in diese neue interdisziplinär ausgerichtete Behörde. Die Themenerweiterung trägt auch der Erkenntnis Rechnung, dass Information, Vermittlung, Weiterbildung in jedem Bereich der nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft einen höheren Stellenwert bekommen. Durch eine erweiterte Programmkonzeption erhält der Bildungsauftrag der NUA eine breitere gesellschaftliche Relevanz. Im Politikbereich „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) der UNESCO werden 2008 ebenfalls wichtige Akzente gesetzt: So koordiniert die NUA im Frühjahr 2008 zum Abschluss der Landeskampagne „Agenda 21 in der Schule“ für rund 300 teilnehmende Schulen 20 öffentlichkeitswirksame Auszeichnungsveranstaltungen in den Regionen des Landes. (NUA)

Alleentagung

NUA-Heft Nr. 22 erschienen
Auf einer gemeinsamen Fachtagung von Umweltministerium, Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU) und NUA ging es im Dezember 2007 um den Alleenschutz in Nordrhein-Westfalen. Jetzt hat die NUA in der Reihe „NUA-Hefte“ die Beiträge der Tagung in einem Tagungsband veröffentlicht. Mit ihrer 100-Alleen-Initiative fördert die Landesregierung die Neuanlage und Ergänzung von Alleen. Erfreut zeigte sich Umweltminister Uhlenberg auf der Tagung über die breite Unterstützung der Initiative durch den ehrenamtlichen Naturschutz, durch Landwirte, Grundbesitzer und Kommunen. Uhlenberg rief dazu auf, dem Umweltministerium weitere Vorschläge für Alleenpflanzungen zu unterbreiten. Weitere Beiträge des Bandes thematisieren die Bedeutung der Deutschen Alleen straße für den Tourismus, das LNU-Projekt zur Erfassung und zum Schutz von Alleen und den Zielkonflikt „Alleen und Verkehrssicherheit“. (NUA)

Kiesabbau am Niederrhein

NUA-Tagungsbericht erschienen
„Kiesabbau am Niederrhein - Quo vadis?“ So lautete das Thema eines Forums, das die NUA gemeinsam mit dem BUND NRW und dem Arbeitskreis Steine und Er den NRW im Februar in Krefeld durchgeführt hat. Jetzt ist dazu in der Reihe „NUA-Hefte“ ein umfangreicher Tagungsband erschienen. Im Mittelpunkt der Tagung stand die Frage, wie sich not wendige Abgrabungen bestmöglich in die räumliche Entwicklung einbinden lassen. Ein weiteres Thema war auch, wie Abgrabungen in den Gewässerhaushalt eingreifen und welche Anforderungen es an eine grenzüberschreitende Planung gibt. Die Veranstaltung setzte den bereits im Jahre 2005 in Anröchte begonnenen Dialog zwischen dem Umweltverband BUND und der nordrhein-westfälischen Abgrabungsindustrie fort, mit dem Ziel, das Verständnis für die gegenseitigen Positionen zu verbessern. (NUA)

Wildnis für Kinder

Wildnis für Kinder in der Stadt

Der Naturentfremdung begegnen – NUA-Tagung diskutiert Erfahrungen aus Ballungsrämen
Wie lässt sich der zunehmenden Naturentfremdung un serer Kinder, besonders in Ballungsgebieten, entgegenwirken? Welche praktischen Möglichkeiten gibt es, die Naturerlebnismöglichkeiten für Kinder zu verbessern? Wie können Kindergärten und Schulen in ihrer Bildungsarbeit der Naturentfremdung begegnen? Diese Fra gen standen im Mittelpunkt einer Fachtagung in Recklinghausen zu der die Biologische Station Östliches Ruhr gebiet, die NRW Stiftung Naturschutz, Heimat und Kulturpflege und die NUA eingeladen hatten.

„Kinder an die Natur heranführen, und das im städtischen Umfeld“, so Dr. Gertrud Hein (NUA) in ihrem Grußwort, sei eine besonders wichtige Aufgabe, um Kindern die so wichtigen Naturerfahrungen zu ermöglichen. Nur so könnten sie eine Wertschätzung für die Na tur entwickeln. Über 40 Teilnehmer aus Schule, Planung und Verwaltung waren zusammengekommen, um an diesem Thema zu arbeiten.

Naturerfahrung unverzichtbar
Professor Herbert Zucchi von der FH Osnabrück wies auf die „Bedeutung der Natur für die kindliche Entwicklung“ hin. Die zwei Kernfragen seien: „Welche Rolle spielt Natur für die Kindheit? und „Welche Bedeutung hat die Kindheit in der Natur für die Natur?“ Den Unterschied der Kindheit gestern und heute umschreibt Zucchi mit den Begriffen „Draußenkindheit“ und „Drinnenkindheit“. Der „Aufforderungscharakter“ der Natur mit ihrem Angebot zu selbstorganisiertem Handeln in einer „reizvielfältigen Umwelt“ fördere die Entwicklung des Kindes in optimaler Weise und sei deshalb besonders wichtig. Die sogenannte „Drinnenkindheit“ mit ihrer Ausrichtung auf den Medienkonsum führe zu Defiziten, Defekten und Deformationen bereits bei kleinen Kindern. Kindheit heute sei vor allem durch eine solche „Drinnenkindheit“ geprägt, mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf die psychische und physische Entwicklung der Kinder. Ursache dafür sei eine Stadtplanung, bei der in der Vergangenheit an alles gedacht wor den sei, „nur nicht an unsere Kinder mit ihren Spielbedürfnissen.“

„Urbane Wildnis“, idealer Erfahrungsraum
Ähnliches wusste Professor Konrad Reidl von der Hoch schule Nürtingen Geislingen zu berichten. Schrumpfende Städte bieten die Gelegenheit, Brachflächen zu „urbaner Wildnis“ zu entwickeln, so Reidl. In einem Forschungsprojekt konnte die Attraktivität solcher Flächen für Kinder im nahen Wohnumfeld nachgewiesen werden (siehe Bericht Seite 5). Zum Schluss stand die Forderung, Naturerfahrungsräume als neue städtebauliche Flächenkategorie zu etablieren.

Wildnis ist planbar
Jürgen Heuser, Biologische Station Östliches Ruhrgebiet, forderte eine „Spielleitplanung“ für die Städte, um Naturerfahrungsräume als „informelle Spielplätze“ in Wohnortnähe zu etablieren. Ellen Bruns referierte über das Wesen von Wildnis und de ren Planbarkeit, die von Innen he raus, unter Einbeziehung der Akteure erfolgen müsse. Beispiele, wie Natur wieder zum Spielraum für Kinder werden kann, stellte unter anderem Ulrich Carow vom Regionalverband Ruhr vor, der auf die „Route Industrienatur“ aufmerksam machte (siehe Bericht Seite 5). Stefan Kisteneich von der NRW Stiftung verwies auf die Möglichkeit der Förderung von Projekten im Rahmen des Programmes „Industrienatur“, sofern Brachflächen zu gänglich gemacht werden.

Wald als Erlebnisraum
Aus der Praxis der Jugendarbeit berichtete Thomas Engelhardt von der Werkstatt für Waldkultur in Saarbrücken, der den Wald als „besonderen Ort der Kommunikation“ nutzt, um Kindern das Naturerleben zu er - mög lichen. In Camps können die Kinder selbstorganisiert und mit minimaler Infrastruktur Erfahrungen in der Na tur sammeln - der „Urwald macht Schule“. Bedenken bezüglich der Sicherheit solcher Formen des „unorganisierten Spielens“ konnte Rainer Deimel vom ABA-Fachverband Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zerstreuen, der die besonders geringe Unfallquote auf Abenteuerspielplätzen anführte und zudem auf die Wichtigkeit früher Erfahrungen hinwies, damit Kinder Gefahren einschätzen und Unfälle vermeiden können. Dr. Henning Schüler berichtete unter dem Motto „Draußen sein, damit es drinnen besser geht“, aus seiner Praxis über die Einführung eines „Draußentages“ an seiner Schule, der den Kindern einmal in der Woche die Möglichkeit zu freiem Spiel und somit freiem Lernen im Wald gibt.

Abschließend waren sich die Teilnehmer einig, dass Kin der für ihre gesunde Entwicklung die Erfahrungswelt der Natur benötigen und dass es verschiedenste Möglichkeiten gibt, auch in Ballungsgebieten Räume zu schaffen, in denen unsere Kinder unter sich, ohne Kontrolle und selbstständig diejenigen Erfahrungen machen kön nen, die sie dazu befähigen, später Natur zu respektieren und erhalten zu wollen. (Tomas Kilousek / anl / bst)

Naturerlebnisgarten Herten ausgezeichnet

muna-Kinder- und Jugendpreis für BUND-Projekt
In fünf Kategorien vergaben das ZDF und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) im September 2007 die Auszeichnung „Mensch und Natur“ an ehrenamtliche Naturschützer. Den mit 5000 € dotierten „Kinderund Jugendpreis“ erhielt dabei das Team des BUNDNa turerlebnisgartens um Sigrun Zobel in Herten. Eine sie benköpfige Jury aus Naturschutzexperten der Organisationen BUND, Euronatur, NABU, World Wide Fund for Nature (WWF), DBU und ZDF suchte die Sieger aus.

Jährlich 6000 Kinder
Das BUND-Team des Naturerlebnisgarten Herten gestaltete gemeinsam mit Schülern dreier Hertener Hauptschulen einen 18.000 Quadratmeter großen, ehemaligen Zechenparkplatz zu einem Naturerlebnisraum um. Den Garten be- und untersuchen jedes Jahr 6000 Kinder. Gerade für Vorschulkinder mit psychischen Auffälligkeiten oder motorischen Schwierigkeiten eigne er sich besonders gut, um in der Natur ihre Fähigkeiten zu trai nieren und zu fördern, so die Jury. Der Garten dient auch körper- und geistig behinderten Kindern als Therapieraum, um etwa beim Klettern die eigenen Sinne neu zu erfahren. Aktion Mensch unterstützt die pädagogische Betreuung. Auch treffen im Garten verschiedene Kulturen aufeinander: Kinder mit Migrationshintergrund, z.B. aus Ghana, dem Iran oder der Türkei, erleben den Garten gemeinsam mit Kindern deutscher Her kunft. Seit vielen Jahren bietet der BUND-Naturerlebnisgarten auch im Rahmen des NUA-Programms Bildungsveranstaltungen für Multiplikatoren an.

Diplomarbeit über Naturerlebnisgarten
Die naturnahe Arbeit kann die kindliche Entwicklung för dern. Zu diesem Schluss kommt Tanja Sperling in ihrer sozialpädagogischen Diplomarbeit, für die sie ihre Erfahrungen aus dem BUND-Naturerlebnisgarten Herten ausgewertet hat. Vielen Kindern aus dem städtischen Wohnumfeld fehlen heute Möglichkeiten, sich kre ativ in freiem Spiel zu entfalten. Ein Naturerlebnisgarten biete die im Alltag fehlenden Spiel- und Erlebnisräume an. Dabei ist die freie Natur ein besonders ge eigneter Spielraum, da sie sowohl die Motorik und Sin neswahrnehmung als auch die Fantasie und Kreativität fördert. Die Kinder erlernen soziale Fähigkeiten, Sprache und Intellekt entwickeln sich weiter. Sie begreifen ökologische Zusammenhänge und können eine positive Beziehung zur Natur aufbauen. (DBU / BUND / anl)

Industriewald als Lern- und Erlebnisraum

Angebot für Offene Ganztagsschulen
Im Ruhrgebiet gibt es viele ehemalige Industrieflächen, auf denen sich vielfältige Naturräume entwickelt ha ben. Einige Brachflächen sind inzwischen mit Birken, Wei den, Pappeln, Kirschen und anderen Bäumen bewaldet. Diese „Industriewälder“ sind der Lebensraum von vielen Pflanzen und Tieren. Teilweise nutzen die Kin der diese Flächen bereits in ihrer Freizeit zum Spielen und zur freien Entfaltung. Wegen ihrer Nähe zu Schulen eignen sie sich auch für Erlebnis- und Lernangebote im Rahmen der Offenen Ganztagsgrundschule.

In Zusammenarbeit mit Schulen z. B. in Bochum, Herne und Dortmund und den geowissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten Bochum und Dortmund wurden Waldprojekte erarbeitet und erprobt, die von Ganztagsschulen bei der selbstständigen Erschließung der städtischen Naturräume als Lern- und Erlebnisorte genutzt werden können. Auf einer CD-ROM werden Praxis module zur Gestaltung der Waldbesuche und weitere ausführlichere Informationen veröffentlicht. (RUB)

Naturerfahrungsräume im besiedelten Bereich

Forschungsprojekt der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen
In den Städten Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Nür tingen wurden in Kooperation mit der städtischen Ver waltung und Vertretern der Bürger geeignete Flächen als Naturerfahrungsräume abgegrenzt bzw. (um)gestaltet. Sodann wurde – teilweise im Vergleich zu konventionellen Spielplätzen – untersucht, wie sich Kinder und Jugendliche auf diesen Flächen verhalten und welche Naturerfahrungen sie hierbei sammeln. Eine wichtige Frage war zudem, was die Eltern über diese neue naturbestimmte Grünfläche in ihrem Wohnumfeld denken und ob mit diesen die Akzeptanz für Naturschutz in der Stadt gefördert werden kann.

Die ein ganzes Jahr lang gemachten Beobachtungen der Kinder im Alter zwischen 6 und 12 Jahren und Interviews mit ihnen haben ergeben, dass bespielbare Naturflächen im Wohnumfeld für Heranwachsende von großer Bedeutung sind. Die Vielfalt natürlicher Elemente bietet Kindern im Verhältnis zu konventionellen Spielplätzen mehr Gelegenheit zu abwechslungsreichem und selbst bestimmtem Spiel. Die beobachteten Spielabläufe sind komplexer und weniger monoton, sie regen die Fantasie der Kinder an. Heranwachsende lernen, aufmerksam und sicher mit natürlichen Materialien und auch Risiken umzugehen. Zusammenfassend stellen die For scher eine höhere „Aktionsraumqualität“ von Naturerfahrungsräumen fest. Der Kontakt der Heranwachsenden mit der Natur bedarf hier keiner Aufsicht, Anleitung oder Belehrung durch Erwachsene. Die Untersuchungen haben ein Bild von den tatsächlichen Bedürfnissen und Wünschen der Kinder bei ihrem Spiel unter freiem Himmel ergeben.

Eine schriftliche Befragung und Gespräche mit Eltern haben gezeigt, dass das Angebot von Naturerfahrungsräumen auf große Zustimmung trifft. Den meisten Eltern ist die positive Wirkung naturnaher Flächen auf die physische und psychische Entwicklung ihrer Kinder bewusst. Erfreulich ist dieses Ergebnis nicht zuletzt deshalb, weil es sehr stark von der Haltung der Wohnbevölkerung abhängt, ob Naturerfahrungsräume zukünftig vermehrt ausgewiesen werden. (naturerfahrungsraum. de)

Literaturtipp: REIDL, K., SCHEMEL, H.-J. & BLINKERT, B., 2005: Naturerfahrungsräume im besiedelten Bereich. Schriftenreihe der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Band 24. 283 S. + Anhang, ISBN 3-9809939-0-6

Naturerleben auf alten Zechenbrachen

Route Industrienatur: Nicht nur Nischen für Pflanzen und Tiere
Der Regionalverband Ruhr arbeitet seit seiner Gründung an einer umweltverträglichen Raumentwicklung. Dabei stellt sich der RVR der regionalen Zukunftsaufgabe, die Bevölkerung – insbesondere die Jugend – für die Belange des Natur- und Umweltschutzes im Ballungsraum Ruhrgebiet zu sensibilisieren. Nicht zuletzt durch die dem Strukturwandel geschuldete Entwicklung im Ruhrgebiet verfügt er heute über viele natürliche Spielräume im Ballungsgebiet der Metropole Ruhr, zum Beispiel auf brachliegenden Industriestandorten. Sie bieten Kindern und Jugendlichen ein ideales Potenzial für das freie Spiel in der Natur, bestechen durch vielfältige Farben, Formen und Nutzungsmöglichkeiten und liegen häufig inmitten der Städte.

Route Industrienatur
Im Rahmen eines Forschungsvorhabens wurden Ende der 80er Jahre brach gefallene Industrieflächen im Ruhrgebiet floristisch, vegetationskundlich und bodenkundlich untersucht. Dabei wurden rund 700 wild wachsende Farn- und Blütenpflanzensippen festgestellt. Das entspricht etwa 30 Prozent der Gesamtflora von Nordrhein-Westfalen. Bestimmte Arten kommen sogar ausschließlich auf Industriebrachen vor. Etwa zur gleichen Zeit wurden die Industriebrachen mehr und mehr als „Wildnis“ mitten in der Stadt entdeckt. In unmittelbarer Nähe zu Wohnsiedlungen und Schulen sind sie einzigartige Naturerlebnisflächen, die vor allem von Kindern schnell erobert werden.

100 Exkursionen im Jahr
Diese Erkenntnisse führten 1999 im Rahmen der Inter nationalen Bauausstellung zur Gründung der Route Industrienatur. Schulklassen und Jugendgruppen im Ruhrgebiet wird angeboten, jeden der 19 Standorte der Route Industrienatur kennen zu lernen. Der RVR veranstaltet jährlich etwa 100 Exkursionen für Kinder und Jugendliche an Standorten der Route Industrienatur. Hoch qualifizierte und pädagogisch erfahrene Biologen, Geografen und Landschaftsplanerinnen vermitteln biologische und standortspezifische Kenntnisse sowie ökologische, geschichtliche und wirtschaftsgeografische Zusammenhänge. (Ulrich Carow, RVR / bst /anl)

Naturerleben

Wildnis-Trail im Nationalpark Eifel eröffnet

Neuer Erlebnisweg durch Schutzgebiet
Einer der vielfältigsten Wanderwege Deutschlands wurde im Oktober im Nationalpark Eifel eröffnet. In vier Tagesetappen mit einer Gesamtlänge von 85 Kilometern führt der neu eröffnete Wildnis-Trail einmal quer durch den Nationalpark. Vom südlichsten Nationalpark-Tor in Monschau-Höfen bis zum Nationalpark-Infopunkt in Hürtgenwald-Zerkall an der nördlichen Spitze des Nationalparks. Sämtliche Landschaften des 110 Quadratkilometer großen Schutzgebietes werden dabei durchwandert.

Wanderer erleben auf dem abwechslungsreichen Fernwanderweg Narzissen-Wiesen im südlichen Nationalpark, die Seen- und Flusslandschaften im Herzen des Gebietes, das weite Grasland des ehemaligen Truppenübungsplatzes Vogelsang und die naturnahen Laubwälder im Norden des Parks. Die Idee zu dem neuen Fernwanderweg gab es schon bei Gründung des Nationalparks Anfang 2004: Wer im Nationalpark Urlaub machen wolle, so Michael Lammertz vom Nationalpark-Forstamt, „dem fehlte bislang so etwas wie ein Berg mit Gipfelkreuz, nach dessen Besteigung sich die Besucherinnen und Besucher stolz das T-Shirt mit dem Aufdruck „I made it" kaufen können“. Genau diese ambitionierten Wanderer fänden jetzt im Wildnis- Trail die passende Herausforderung. Dies ist auch der Grund für die Länge der einzelnen Tagestappen, die mit 18 bis 25 Kilometern doch recht anspruchsvoll sind. Ein entsprechendes T-Shirt gibt es zwar noch nicht, dafür aber eine Urkunde, die die Wanderer nach ihrer Nationalpark-Durchquerung als Erinnerung bekommen.

Begleitbuch und Wanderkarte
Dass auf Wanderer eine beeindruckend schöne Landschaft wartet, bestätigt auch Maria Pfeifer, die den Fernwanderweg als Autorin des druckfrisch erschienenen Buches „Der Wildnis-Trail im Nationalpark Eifel“ bestens kennt. Neben umfangreichen Erklärungen zu der Natur und den kulturellen Besonderheiten links und rechts des Weges bietet der Wanderführer auch Karten mit detailliert beschriebenem Wegeverlauf. In Kürze wird zudem die neue Nationalpark-Wanderkarte des Eifelvereins erscheinen (www.eifelverein.de), die auch den Wildnis-Trail darstellt. Darüber hinaus schildert die Nationalpark-Holzbauwerkstatt den Trail derzeit im Gelände aus. Erhältlich ist die Wanderstrecke zudem als GPS-Tour zum Download oder als SD-Speicherchip für Pocket-PCs bzw. PDAs.

Eine nachhaltige Wirkung hat der Wildnis-Trail bereits bei Kristina Dittert, Autorin der zweiten literarischen Neuerscheinung zum Wildnis-Trail „Zwei Blumen unterwegs - Eine Reise durch den Nationalpark Eifel", hinterlassen: „Der Wildnis-Trail hat aus mir, einer echten Großstadtpflanze, einen richtigen Nationalpark Eifel-Fan gemacht." (Nationalpark-Forstamt Eifel)

Lesetipp: Maria A. Pfeifer, Gabriele Harzheim, Hans-Georg Brunemann: Der Wildnis-Trail im Nationalpark Eifel - 4 Tages-Etappen zwischen 18 und 25 Kilometern, 192 Seiten, mit einer s/w und 179 farbigen Abbildungen, sowie 8 Illustrationen und 5 Karten, 12,0 x 20,5 cm, kartoniert, 12,95 Euro, ISBN: 978-3-7616-2154-7

Wandertouren im Internet

Touren des Stadtführers „Natürlich Bielefeld“ als GPS-Tracks
Nachdem sich das Angebot an Rad- und Wandertouren im Stadtführer „Natürlich Bielefeld“ wachsender Beliebtheit erfreut, warten nun der Bielefelder Verlag BVA und die AUbE-Umweltakademie als Herausgeber mit einem ganz besonderen Service auf: Die Touren wurden digitalisiert und aufbereitet und stehen nun im Internet unter www.klickontour.de als GPSgestützte Tracks zum Abruf bereit. Der Einsatz von GPS-Geräten greift im Tourismus immer weiter um sich, da sie die Nutzung ausgewählter Tourenvorschläge erheblich vereinfachen. Dieser Entwicklung wollen nun auch die Macher von „Natürlich Bielefeld“ in nichts nachstehen und laden mit ihrem neuen Angebot die Nutzer von GPS-Geräten zu attraktiven und erlebnisreichen Ausflügen ein. Auf vier Wanderungen und sechs Radtouren lassen sich an den Sehenswürdigkeiten und ausgewählten Besichtigungspunkten alle Besonderheiten der Stadt und der einzigartige Reiz von Natur und Landschaft intensiv erleben.

Als Vorgeschmack zur Auswahl einer gewünschten Tour können die Routen über das Portal auch in „Google Earth“ oder als Bildschirm füllende Fotokarte angezeigt werden. Jede Tour ist mit einem umfassenden Servicepaket bestehend aus Tourendokumentation, Bildern, Höhenprofil, Online-Karte und etlichen nützlichen Links ausgestattet – alles zum Ausdrucken vorbereitet, also auch ohne GPS-Gerät ein tolles und praktikables Angebot. Der Download der GPS-Tracks aufs GPSGerät ist kostenlos. Auf der Website www.klickontour.de der BVA finden sich neben den Tourenvorschlägen aus dem Stadtführer „Natürlich Bielefeld“ zehn weitere Radrouten rund um die ostwestfälische Metropole, dazu eine stetig wachsende Auswahl von rund 3.500 europaweiten Freizeittouren aller Art. (AubE-Umweltakademie)

Impressum

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45610 Recklinghausen
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Fax 02361/305-3340
E-Mail: poststelle@nua.nrw.de
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Redaktion:
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Tel. 02361 305-3246
(verantwortlich)

Adalbert Niemeyer-Lüllwitz (anl)
Tel. 02361 305-3335

Volker Langguth (vla)
Tel. 02361 305-3333

Erscheinungsweise:
Die NUAncen erscheinen dreimal jährlich. Redaktionsschluss jeweils 15. März, 15. Juli, 15. November

Gestaltung:
Mumbeck – Agentur für Energie und Umweltmarketing, Wuppertal

Gestaltung der Internet-Version:
D. Lischewski Ö/K/O/M KG, Münster
www.oekom.com

Druck:
Druck Verlag Kettler, Bönen
Druck auf 100% Recycling-Papier

Ausgabe:
Nummer 28, 10. Jahrgang 2007
15.12.2007

Bezug:
kostenlos

ISSN:
1615-3057

Zum Titelbild:
Wildnis für Kinder im Ballungsraum war Thema einer Fachtagung der NUA.
Foto: Biologische Station Östliches Ruhrgebiet / Jürgen Heuser

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