Heft Nr. 27, August 2007

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Das Siebengebirge soll zweiter Nationalpark in NRW werden.
Foto: P. Schütz

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Aus der NUA

Ecosystem-Conversation Society Japan in der NUA

Mit großem Interesse wird in Japan die Entwicklung von Umwelt- und Naturbildung in Deutschland verfolgt. Eine Delegation von „Ecosystem-Conversation Society Japan“ besuchte im Juli unter Leitung ihres Präsidenten Hubun Ikeya verschiedene Einrichtungen in Nordrhein- Westfalen. In der NUA interessierten sich die japanischen Gäste insbesondere für die Kampagne „Natur- Kindergärten in NRW“. Die Organisation plant die Durchführung von Wettbewerben dazu in Japan. Für die NUA informierte Adalbert Niemeyer-Lüllwitz die Gäste über Ziele, Instrumente und Ergebnisse der Kampagne. Dass es vor allem darauf ankommt, Erzieherinnen und Erzieher für eine solche Arbeit zu begeistern und ihnen das nötige Wissen zu vermitteln, darüber war er sich mit Hubun Ikeya einig. Vorgestellt wurden den Gästen auch der Lumbricus und das NUA-Tagungshaus. (NUA)

Nachhaltigkeit und Schule

Künftige Lehrkräfte zu Besuch in der NUA
22 Lehramtsstudenten der Universität Münster informierten sich im Juni über die Angebote der NUA für die schulische Bildungsarbeit. Bei praktischen Übungen mit dem Umweltbus LUMBRICUS der NUA ging es um die Frage, wie das Thema „Lebensraum Boden“ im Unterricht bearbeitet werden kann. Die Studierenden nehmen in diesem Semester an dem von Annette Kemper geleiteten Seminar „Ökologie und nachhaltige Entwicklung“ teil. Kemper war bis zum Jahre 2005 mehrere Jahre in der NUA tätig und bringt diese Erfahrungen jetzt in die Lehrerausbildung am Institut für Didaktik der Biologie der Uni Münster ein. Zum Abschluss ihres Besuchs in Recklinghausen war sie sich mit den Vertretern der NUA einig, dass die Zusammenarbeit zwischen Uni und NUA im Bereich „Bildung für Nachhaltigkeit“ für beide Seiten wichtig ist und weiter vertieft werden sollte. (NUA)

NUA-Tagungshaus: Modell für nachhaltiges Bauen

In einer aktuellen Veröffentlichung der Bauministerkonferenz der Länder wird das NUA-Tagungshaus in einem mehrseitigen Beitrag als Beispiel für „Nachhaltiges Bauen“ vorgestellt. Für die bebilderte Dokumentation wurde das NUA-Haus als eines von zwei Beispielen aus NRW ausgewählt. Insgesamt präsentiert die Dokumentation „repräsentative Beispiele des nachhaltigen Bauens im staatlichen Hochbau der Länder“, so der Herausgeber. Sie wurde im Auftrag des Ausschusses für staatlichen Hochbau der Bauministerkonferenz erstellt. (anl)

Abschied von der NUA: Rolf Kalkkuhl war von 1994 bis 2006 Präsident der Landesanstalt für Ökologie (LÖBF) und in dieser Zeit Mitglied im Kuratorium der NUA. Bei seiner Verabschiedung im Rahmen der letzten Kuratoriumssitzung erinnerte der Vorsitzende Klaus Brunsmeier (im Bild links) besonders an seinen Einsatz für die Realisierung des NUANeubaus. Nach über 30jährigerer Tätigkeit in der Landesverwaltung wurde Rolf Kalkkuhl im März 2007 in den Ruhestand verabschiedet.

Nationalpark

Nationalpark Siebengebirge geplant

Dialog mit Auftaktveranstaltung der NUA in Bad Honnef gestartet
Rund 160 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Tourismus, Naturschutz sowie Forsten haben am 16. Juni 2007 an der Tagung „Nationalpark Siebengebirge“ teilgenommen. Ziel der NUA-Tagung im Kur- und Kongresshaus in Bad Honnef war es, den Dialog über das geplante Projekt „Nationalpark Siebengebirge“ mit Informations- und Diskussionsbeiträgen zu eröffnen. NRW-Umweltstaatssekretär Dr. Alexander Schink betonte, der so gestartete Meinungsbildungsprozess werde vom Umweltministerium nach Kräften unterstützt. Es gehe darum, auf diese Weise alle Fragen zu klären, damit am Ende der Diskussion eine sachgerechte Entscheidung in Sachen Nationalpark getroffen werden könne. Bereits in seiner Anmoderation hatte NUA-Leiter Horst Frese an die Entstehungsgeschichte des ersten NRW-Nationalparks in der Eifel erinnert. Der Erfolg des damals von der NUA begleiteten breiten Dialogprozesses mit allen gesellschaftlichen Gruppen und der Bevölkerung könne Vorbild sein für die geplante Ausweisung eines Nationalparks Siebengebirge.

Unterstützung aus der Region
Wally Feiden, Bürgermeisterin der Stadt Bad Honnef und Herbert Krämer, Vorsitzender des Verschönerungsvereins Siebengebirge (VVS), unterstrichen ebenfalls in ihren Grußworten die Bedeutung dieses Dialogprozesses. Sie befürworteten die Einrichtung eines Nationalparks Siebengebirge vor allem im Hinblick auf den Erholungswert der ortsansässigen Bevölkerung und die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Region. Fridjof Kühn, Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, erläuterte, wie es zu der Idee „Nationalpark Siebengebirge“ kam. Der Nationalpark werde an die touristische Tradition des Naturparks Siebengebirges anknüpfen und neue Akzente setzen. Wildnis und Kultur könnten hier eine Symbiose bilden, die der Region einen regelrechten „Schub“ für ihre touristische Entwicklung gebe. Peter Wirtz, Bürgermeister der Stadt Königswinter, Dr. Volker Kregel, Umweltdezernent Stadt Bonn, und Michael Jäger, Umweltdezernent Rhein-Sieg-Kreis, fassten die Chancen aus Sicht der Städte und des Kreises zusammen. Sie gingen auch auf die Dinge ein, die bis zur möglichen Einrichtung eines Nationalparks, vor allem aber auch danach, auf politischer, wirtschaftlicher und privater Ebene zu regeln sind. So wurden unter anderem Regelungen zur Waldbewirtschaftung, zur Jagd, insbesondere zur Infrastruktur sowie der PKW-Park-Situation angesprochen.

Nationale Kriterien erfüllt
Dr. Martin Woike, stellvertretender Präsident des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), erläuterte den Abschlussbericht von LANUV und Geologischem Dienst. Er führte aus, dass der geplante Nationalpark Siebengebirge aufgrund der Vielfalt der Arten und Waldgesellschaften sowie der Seltenheit von Arten die nationalen Kriterien für Nationalparke erfülle (siehe Bericht Seite 4). Im zweiten Teil der Veranstaltung vertieften die Teilnehmenden in Arbeitsgruppen die Themen Ökologie, Tourismus/Naturerlebnis als Wirtschaftsfaktor, Infrastruktur des Nationalparks, Nutzungen im Nationalpark und „Bürgernationalpark“. Dabei wurde auch die Gründung gleichnamiger Arbeitsgruppen vorbereitet, die bis Ende des Jahres zu ihren jeweiligen Fachthemen konkrete Ergebnisse zur Vorbereitung einer Nationalparkverordnung vorlegen sollen. Lokale Veranstaltungen in der Region und den fünf Arbeitsgruppen führen den begonnenen Dialogprozess in den nächsten Wochen und Monaten fort. (bst)

Uhlenberg: „Siebengebirge sehr gut geeignet“

Dialog mit Auftaktveranstaltung der NUA in Bad Honnef gestartet
Bereits am Vortag der NUA-Tagung hatte sich NRW-Umweltminister Uhlenberg positiv zu den Plänen eines Nationalparks Siebengebirge geäußert. In einer Pressemitteilung des MUNLV bekräftigte er, dass es für die Pläne auch Unterstützung durch die Landesregierung gebe. „Wir sind zu der Auffassung gekommen, dass sich das Siebengebirge sehr gut dazu eignet“, sagte Uhlenberg. Der Nationalpark Siebengebirge solle eine Fläche von 4500 Hektar umfassen, die Eröffnung sei für 2010 geplant. Das Siebengebirge zeichne sich durch eine besonders artenreiche Flora und Fauna mit vielen schützenswerten Arten aus. Ein Gutachten habe bereits ergeben, dass es die ökologischen Kriterien für einen Nationalpark erfüllt. „Die Region steht hinter dem Projekt“, sagte Uhlenberg. Sowohl die Region als auch das Land NRW würden sich an den Kosten beteiligen. Darüber hinaus sollen Gelder bei der EU beantragt werden. (MUNLV / bst)

Dialogplattform Nationalpark Siebengebirge

Plattform für Meinungsbildungsprozess im Internet
Anlässlich der NUA-Tagung in Bad Honnef wurde eine Internet-Dialogplattform zum Thema Nationalpark Siebengebirge erstmals vorgestellt und frei geschaltet. Die Seite des NRW-Umweltministerium (MUNLV) und des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) soll dazu beitragen, offene Fragen zu klären und den Meinungsbildungsprozess zu fördern. Damit sollen, so Staatssekretär Dr. Alexander Schink (MUNLV), Grundlagen für eine sachgerechte Entscheidung geschaffen werden. Die Internetseite ist über die Homepage des LANUV sowie über die Seiten des Rhein-Sieg-Kreises, der Städte Bonn, Königswinter und Bad Honnef und des Naturparks Siebengebirge erreichbar. Die Plattform bietet die Möglichkeit, aktiv an dem offenen Meinungsbildungsprozess zu einer möglichen Ausweisung des Siebengebirges als Nationalpark teilzunehmen. In wenigen Schritten kann jeder Besucher seine persönliche Meinung, Kommentare, Beobachtungen sowie Vorschläge eingeben und sofort auf dieser Seite veröffentlichen. Beiträge können zu verschiedenen Rubriken wie Ökologie, Nutzungen im Nationalpark, Tourismus und Naturerlebnis oder „Bürger-Nationalpark“ eingegeben werden.

Daten und Fakten zum Gebiet
Die Seite bietet zusätzlich eine Vielzahl von Hintergrundinformationen an. Die Daten stützen sich auf einen Bericht des LANUV, nach der sich das Siebengebirge aus naturschutzfachlicher Sicht für die Ausweisung eines Nationalparks eignet. Ein Nationalpark soll laut internationaler Kriterien in Landschaften des Tieflandes und des Mittelgebirges möglichst eine Größe von mindestens 6.000 – 8.000 ha umfassen. Die Flächengröße des Siebengebirges ist mit ca. 4.500 ha gemessen an den Kriterien der IUNC (World Conservation Union) relativ gering. Das potenzielle Gebiet erfülle aber angesichts seiner besonders artenreichen Flora und Fauna, der Vielzahl natürlicher Lebensraumtypen und der besonderen Geologie die Voraussetzungen für die Ausweisung zum Nationalpark. Hervorgehoben werden im LANUV-Bericht als wichtige „wertbestimmende ökologische Merkmale“ folgende Fakten:

  • Herausragende, markante Morphologie und ein Erscheinungsbild von europäischer Bedeutung.
  • Weitgehend unzerschnittenes, großflächiges Waldgebiet mit z. T. seit Jahrzehnten nicht mehr genutzten Waldlebensräumen (größtes zusammenhängendes
  • Buchen-Eichen-Waldgebiet des Rheinlandes).
  • Kleinräumig wechselnde Geologie und ein stark ausgeprägtes Relief (steile Vulkankuppen, tief eingeschnittene Siefen).
  • Sehr dichtes Netz naturnaher Bäche und Quellen.
  • Vorkommen zahlreicher gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. 726 Farn- und Blütenpflanzen, davon 91 auf der Roten Liste NRW. (LANUV / anl)

Stellungnahmen der Naturschutzverbände

NABU und BUND eröffnen kritischen Dialog zum geplanten Nationalpark
Grundsätzlich positiv, begleitet von kritischen Hinweisen, so äußerten sich in ersten Stellungnahmen die NRW-Naturschutzverbände zu den Plänen für einen Nationalpark Siebengebirge. „Grundsätzlich begrüßen wir einen weiteren Nationalpark sehr, jedoch darf sich ein solches Schutzgebiet später nicht als Mogelpackung erweisen“, sagte Paul Kröfges, Landesvorsitzender des BUND. Sowohl der BUND als auch der NABU gehen in ihren Stellungnahmen auf die relativ geringe Flächengröße des geplanten Nationalparks ein. „Hier würde der mit rund 4.500 Hektar zweitkleinste Nationalpark Deutschlands entstehen, der nur mit größten Anstrengungen zu einem Nationalpark nach internationalen Standards entwickelt werden kann“, erklärte Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU. Um den internationalen Kriterien der Weltnaturschutzunion IUCN gerecht zu werden, sei insbesondere eine Ausdehnung des Nationalparks in das benachbarte Rheinland-Pfalz empfehlenswert.

Naturschutzfachlich geboten wäre aus Sicht des BUND ein durchgehendes Schutzgebietsband, das vom Siebengebirge bis zum Königsforst reicht. Eingeschlossen wären dann die wertvollen Flächen der Heideterrasse mit der Wahner Heide, der Siegaue, der Aggeraue sowie des unteren Pleisbachtales als Bindeglied. Denkbar sei auch, einen Nationalpark Siebengebirge in ein Biosphärenreservat zu integrieren. Aus Sicht des NABU ist auch eine Ausdehnung der Kern- und Ruhezonen sowie ein dadurch bedingter deutlicher Rückbau des Wegenetzes zwingend notwendig. Es sei zwar ein ambitioniertes Vorhaben, einen Nationalpark in einem solch dicht besiedelten Raum zu schaffen, dies sei aber zwangsläufig mit geringer Flächengröße und bereits jetzt zu massivem Erholungsdruck auf das Gebiet verknüpft. (BUND / NABU / anl)

Naturschutz

Europäische Rurkonferenz

NUA-Flusskonferenz vom 13. bis 14. November in Heimbach und Düren
Die Serie von NUA-Flusskonferenzen in NRW wird mit der Europäischen Rurkonferenz fortgesetzt. Am Nachmittag des 13. November 2007 beginnt die Konferenz im Wasser-Infozentrum-Eifel in Heimbach. Der erste Tag befasst sich mit der Natur- und Landschaftsgeschichte, der industriellen Entwicklung der Rurregion, dem historischem Wasserbau und dem Denkmalschutz. Fortgesetzt wird die Rurkonferenz am 14. November im großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung in Düren. Ausgehend von der Position der Landesregierung zur Entwicklung dieser Flusslandschaft werden dann die unterschiedlichen Nutzungen in und an der Rur erörtert und perspektivisch weiterentwickelt. Zu den Themen der Konferenz gehören unter anderem: Trinkwassergewinnung, Gewässergüte und Abwasserbehandlung, Hochwasserschutz, Landwirtschaft und Auenschutz, Biotopund Artenschutz, Wanderfischprogramm, Machbarkeitsstudie Wehre an der Rur, Tourismus und Kanusport. Über die Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie werden die vielfältigen Nutzungen überprüft, um die lebendige Durchgängigkeit der Rur von der belgischen Quellregion bis zur Mündung in die Maas weiter zu verbessern. Gemeinsame Ausrichter der Rurkonferenz sind die Bezirksregierung Köln, die Kreise Aachen, Düren, Heinsberg, der Wasserverband Eifel-Rur und die NUA. (Dr. G. Laukötter)

Wassersport, Tourismus und Naturschutz an der Ruhr

NUA-Tagung im März 2007 diskutiert Spannungsfeld
Am 16. März 2007 trafen sich 80 Teilnehmer im Westfälischen Industriemuseum „Zeche Nachtigall“, um sich über die Ruhr im Spannungsfeld zwischen Wassersport, Tourismus und Naturschutz zu informieren. Die Tagung wurde gemeinsam von der NUA und der Arbeitsgemeinschaft der Biologischen Stationen im Ruhrtal ausgerichtet. Zu Beginn standen ein Forschungsbericht über die Auswirkungen des Kanusports an Fließgewässern und die Aktivitäten der Ruhrtalinitiative entlang der Ruhr im Mittelpunkt. Kommunen an der Ruhr haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsame Leitprojekte zu entwickeln, zu denen die Ruhrtalbahn, der Ruhrtal-Radweg, die Ausflugsschifffahrt, touristische Thementouren sowie die Offensive „Städte an den Fluss“ gehören.

Ulrich Clausing vom Kanuverband NRW berichtete über die vielfältigen Kooperationen und freiwilligen Vereinbarungen des Kanusports mit dem Naturschutz. Dabei ging es u. a. um die Entwicklung und Umsetzung von räumlichen und zeitlichen Lenkungsmodellen für einen umwelt- und landschaftsverträglichen Kanusport unter Beachtung des spezifischen Schutzbedarfs der Gewässer. Josef Tumbrinck, Landesvorsitzender des NABU NRW, beschrieb einige konkrete Probleme, die an der Ruhr aufgrund des hohen Freizeitdrucks, insbesondere bei der Beunruhigung bzw. Vertreibung störempfindlicher Tiere sowie beim unkontrollierten Betreten verbotener Uferbereiche, auftreten. Zur Verbesserung nannte er: Befahrensregelungen, Kontingentierung, Hinweisbeschilderung und professionelle Begleitung der Wandergruppen.

Gesamtkonzept für die Ruhr
Die Tagung machte deutlich, dass beim Spannungsfeld Naturschutz-Wassersport die Ruhr in ihrer Gesamtheit zu sehen ist. Entsprechende Bestandsanalysen müssten noch erfolgen. Auf regionaler Ebene sollten sich unterschiedliche Interessensgruppen zusammenfinden und die örtlichen Probleme, Konflikte und Planungen ins Gespräch bringen. Ergebnisse können dann überregional zusammengetragen werden, so dass ein Gesamtkonzept entwickelt werden kann wie z.B. an der Lippe. Bestandteile können sein: Gemeinsames Logo, einheitliche Beschilderungen, touristische Infrastruktur, Informationsarbeit u. a. im Internet. (Dr. Gertrud Hein)

"Bündnis für die Natur“ in NRW

NRW-Beitritt zum „Countdown 2010-Prozess“ geplant – Veranstaltung am 29.11.2007
Vom 19. bis 30. Mai 2008 ist Bonn Schauplatz der 9. UN-Naturschutzkonferenz. Zu der Zusammenkunft der Vertragsstaaten der Konvention über die biologische Vielfalt werden über 150 Delegationen mit voraussichtlich mehr als 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus aller Welt erwartet. Als Gastgeberland plant NRW eigene Beiträge und Aktionen für die Erhaltung von Pflanzen, Tieren und Lebensräumen. Das NRWUmweltministerium nutzt das nordrhein-westfälische „Bündnis für die Natur“, um mit möglichst vielen Partnern offiziell der von der Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) durchgeführten Kampagne „Countdown 2010“ beizutreten. Die Beitrittsfeier mit Umweltminister Eckhard Uhlenberg am 29.11.2007 wird von der NUA mit gestaltet.

Was heißt nun „Countdown 2010-Prozess“?
Beim Weltgipfel in Johannisburg haben Staats- und Regierungschefs aus aller Welt gemeinsam beschlossen, durch ein Aktionsbündnis den Verlust an biologischer Vielfalt bis zum Jahre 2010 zu bremsen. Es geht dabei also um Partnerschaften. Bürgerinnen und Bürger, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Nichtregierungsorganisationen, Wirtschaft, Medien, Wissenschaft und Kultur, alle, die etwas zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt beitragen möchten, können sich mit einem konkreten Projekt einbringen und sich so dem NRW-Bündnis für die Natur im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung anschließen. Der Projektbegriff ist dabei recht offen gehalten: es kann durchaus ein „klassisches“ Artenschutzprojekt sein, eine PR-Kampagne oder ein pfiffiges Schulprojekt - der Fantasie sind (fast) keine Grenzen gesetzt. Wer sich mit einem Projekt beteiligen möchte, kann dazu bei der NUA einen Anmeldebogen anfordern bzw. sich auch formlos melden. (Peter Schütz / MUNLV / anl))

Barrierefreies Naturerleben

13. Bundesweites Naturwachttreffen im Nationalpark Eifel in Kooperation mit der NUA
Vom 28. bis 30. März 2007 trafen sich über 100 Ranger aus rund 40 Schutzgebieten zum 13. bundesweiten Naturwacht-Treffen im Nationalpark Eifel in Schleiden-Gemünd. Die dreitägige Veranstaltung stand unter dem Motto „Barrierefreies Naturerleben“. Veranstalter waren Bundesverband Naturwacht e.V., NUA und Nationalparkforstamt Eifel. Beate Blahy (Bundesverband Naturwacht) hob zu Beginn die Entwicklung in NRW hervor. Die Zahl der hauptberuflichen Ranger sei mittlerweile von Null auf über 30 gestiegen. Nicht nur im Nationalpark Eifel, auch am Rothaarsteig und beim Regionalverband Ruhr seien schon Ranger tätig. Thomas Neiss (MUNLV) umriss die Arbeit der in NRW tätigen Ranger, die alle die insgesamt 4-monatige berufliche Fortbildung zum geprüften Naturund Landschaftspfleger besucht haben. Die erfolgreiche Arbeit des Nationalparks Eifel sei wesentlich auch auf das große persönliche Engagement und die hohe Motivation der hier tätigen Ranger zurückzuführen. Henning Walter (Leiter Nationalparkforstamt Eifel) stellte den Nationalpark Eifel vor und berichtete über die Einsatzgebiete der 31 Forstwirte, die im Zeitraum von 2002 bis 2006 zum geprüften Natur- und Landschaftspfleger ausgebildet wurden. Die in der Umweltbildung tätigen Ranger betreuten 2006 über 412 Bildungsangebote mit über 9600 Teilnehmenden. Die Ranger der Nationalparkwacht haben 2006 insgesamt 360 Führungen mit über 11 000 Teilnehmern angeboten.

Berichte aus der Praxis
Die Ranger Helmut Bergsch, Sascha Wilden und Roland Wollgarten berichteten über ihre Erfahrungen, die sie im Rahmen von Fortbildungen bei Behinderteneinrichtungen gemacht haben. Einen ganzen Tag verbrachten die Ranger selbst in Rollstühlen und konnten erleben, auf welche Hindernisse ein Rollstuhlfahrer im Alltagsleben trifft. Bei einer Fortbildung in Zusammenarbeit mit der Blindenschule Düren erlebten sie mit verbundenen Augen oder ausgestattet mit Spezialbrillen, wie es ist, blind oder sehbehindert zu sein, und was man als Begleiter blinder oder sehbehinderter Menschen unbedingt beachten sollte. Wie wichtig die eigene Naturerfahrung ist, berichtete sehr eindrucksvoll Mustafa Ilhan, der die Gelegenheit hatte, bei den Rangern als „blinder“ Praktikant mitzuarbeiten. Eindrucksvoll warb er dafür, dass auch andere Großschutzgebiete Menschen wie ihm die Gelegenheit geben, die Natur dort zu erleben. (Dr. Gertrud Hein / bst)

Impressum

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45659 Recklinghausen
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45610 Recklinghausen
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Fax 02361/305-340
E-Mail: poststelle@nua.nrw.de
www.nua.nrw.de
www.nuancen.nrw.de

Redaktion:
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Tel. 02361 305-246
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Volker Langguth (vla)
Tel. 02361 305-333

Erscheinungsweise:
Die NUAncen erscheinen dreimal jährlich. Redaktionsschluss jeweils 15. März, 15. Juli, 15. November

Gestaltung:
Mumbeck – Agentur für Energie und Umweltmarketing, Wuppertal

Gestaltung der Internet-Version:
D. Lischewski Ö/K/O/M KG, Münster
www.oekom.com

Druck:
Druck Verlag Kettler, Bönen
Druck auf 100% Recycling-Papier

Ausgabe:
Nummer 27, 10. Jahrgang 2007
15.08.2007

Bezug:
kostenlos

ISSN:
1615-3057

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Das Siebengebirge soll zweiter Nationalpark in NRW werden.
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