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Presseberichte von der Infoveranstaltung Bürgernationalpark Siebengebirge, 5.9.2009

Nationalpark Siebengebirge: Weichenstellung am 27. September

Die Landesregierung legt bei der Informationsveranstaltung in Königswinter ihren Zeitplan vor

Quelle: Artikel vom 07.09.2009 aus dem General Anzeiger, Bonn Von Rüdiger Franz

Siebengebirge. Sinnvollerweise hätte das Symposion auch in Bad Honnef stattfinden können, denn dort wird am 27. September mit einem Bürgerentscheid über die Beteiligung an einem möglichen Nationalpark Siebengebirge entschieden.

Nach der Auftaktveranstaltung im Honnefer Hotel Seminaris und der ersten großen Diskussionsrunde im Kursaal hatten die Initiatoren für den Nationalpark als Ort der dritten zentralen Bürgerinformation am Samstag aber die Jugenddorf-Christophorusschule gewählt.

Rund 250 Bürger, Kommunalpolitiker, Verbandsvertreter und andere Funktionsträger hatten am Morgen den Weg in die CJD-Aula gefunden, ließen sich von Königswinters Bürgermeister Peter Wirtz begrüßen und von Thomas Neiss, zuständiger Abteilungsleiter im Landesumweltministerium, in den aktuellen Sachstand einführen. Wie sich bald zeigte, hielten sich die Überraschungen in Grenzen; allerdings zeigte sich, dass die inhaltliche Arbeit in allen Themenfeldern vertieft worden war.

Service Informationen unter www.buergernationalpark-siebengebirge.de

So legte Staatssekretär Alexander Schink ausführlich dar, wie das Projekt aus Sicht der Landesregierung weitergeführt werden kann. "Es gibt in Deutschland bislang noch keinen Bürger-Nationalpark, und wir stehen zu unserer ursprünglichen Aussage: Ohne die Bürger wird es keinen Nationalpark geben", sagte er und widersprach damit indirekt anderslautenden Gerüchten, nach denen das Land für eine Absage der Honnefer einen Stufenplan in der Hinterhand halte.

Vielmehr sei der 27. September ein "Tag der Weichenstellung". Schink: "Wenn die Bürger in Honnef dann ihre Zustimmung versagen, wird das Verfahren von der Landesregierung beendet!". Falle der Bürgerentscheid hingegen im Sinne des Nationalparks aus, werde das Ministerium den Prozess forcieren. Der Beifall, den der Staatssekretär mit den beiden Aussagen hervorrief, zeigte, dass Pro und Contra im Saal etwa in gleicher Stärke vertreten waren - vielleicht mit einem leichten Vorteil auf Seiten der Befürworter. Insgesamt nahm die Veranstaltung einen ruhigen Verlauf, polemische Zwischenrufe blieben die Ausnahme.

Meinung Lesen Sie dazu auch den Kommentar: "Der Anfang ist gemacht"

Schink ging ferner auf den weiteren Zeitplan ein und stellte dabei die Mitwirkung von Kommunen und Bürgerschaft als besonders bedeutsam heraus. So lege auch die Landesregierung Wert darauf, dass das Thema in den Städten unter Beteiligung der Bürger ausführlich diskutiert werde: "Wir haben größten Respekt vor dem Bürgerwillen, und deshalb ist zunächst einmal die Region gefragt, aus der ja auch die ursprüngliche Initiative kam."

Hintergrund Weitere Informationen zum Wegekonzept

Aus diesem Grunde sei das Umweltministerium nun auch von dem ursprünglichen Ziel abgerückt, das angestrebte Sondergesetz vom Landtag noch in dieser Legislaturperiode, also bis zum kommenden März, ratifizieren zu lassen. Nach der entscheidenden Kabinettssitzung im März sollen die Kommunen das letzte Wort haben; erst dann geht das Thema in den - dann neu zusammengesetzten - Landtag.

Neben dem Landes-Sondergesetz sollen eine Nationalpark-Verordnung und eine Rahmenvereinbarung der beteiligten Träger das Wesen des Nationalparks ausgestalten. Warum dies sinnvoll sei, legte Landrat Frithjof Kühn dar. Neben einer rein rechtlichen Grundlage und der definierten Regeln sei ein Konsens notwendig, in dem die Beteiligten ihre Verpflichtungen verankern.

Hintergrund Das Organisationsmodell: "Sondergesetz und Nationalparkverordnung"

"Die Rahmenvereinbarung ist letztlich verbindlicher als ein Gesetz, das von der Politik stets verändert werden kann", so Kühn, der als Negativbeispiel die immer wieder wackelnden Bestimmungen des "Bonn-Berlin-Gesetzes" anführte. Die Nationalparkzentrale soll in Honnef eingerichtet werden. Auch Zielvereinbarungen zur Lenkung des Freizeitverkehrs sollen sich in der Vereinbarung wiederfinden.

Ausführlich ging Harald Brandt von der Bezirksregierung auf das geplante Wegenetz ein und unterstrich, dass die Nutzungsrechte keiner weiteren Einschränkung unterlägen. Alle Eingaben - an die 450 Schreiben mit 2 466 Einzelanregungen - seien sehr qualifiziert und detailliert gewesen, so Brandt, der für die intensive Bürgerbeteiligung dankte. Brandt: "Ich sage nicht, dass dieser Entwurf der Weisheit letzter Schluss ist, aber er ist eine gute Grundlage."

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Zuletzt betonte Brandt, der Wegeplan werde ohnehin kommen: Wenn nicht in einem Nationalpark, so doch definitiv mit der Anpassung der Naturschutzverordnung. Zur Erinnerung: Die Pläne für ein verändertes Wegekonzept zum Zwecke der Entzerrung des Besucherverkehrs sind älter als die Diskussion um den Park.

Der Zeitplan:

So sieht der Zeitplan aus, nach dem ein Nationalpark Siebengebirge bis Sommer 2010 Wirklichkeit werden könnte:

  • 15. September: Sitzung des Planungs- und Verkehrsausschuss des Rhein-Sieg-Kreises und Vorstellung des "kleinen" Verkehrsgutachtens.
  • 21. September: Vorstellung des Geschäftsplans/Finanzkonzepts für einen Nationalpark durch die Kreisverwaltung.
  • 27. September: Bürgerentscheid in Bad Honnef. Bei Erfolg des Bürgerentscheids: Ende des Verfahrens. Im Falle der Ablehnung des Bürgerentscheids: Fortgang des Verfahrens.
  • 15. Oktober bis 30. November: Offenlage der Nationalparkverordnung und Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber Bezirksregierung.
  • Mitte Oktober: Fertigstellung "großes" Verkehrsgutachten des Bundes.
  • Ab 20. Oktober: Konstituierung der neuen Räte.
  • 27. Oktober: Kabinettssitzung mit Beschluss über die Zustimmung zur Einleitung der kommunalen Beratungsverfahren.
  • Ende Oktober: Zuleitung des Gesetzentwurfes, der Rahmenvereinbarung, der Nationalparkverordnung sowie des "kleinen" und "großen" Verkehrsgutachtens an die Räte.
  • 1. Dezember bis 26. Februar 2010: Auswertung der Stellungnahmen aus der Offenlage der Nationalparkverordnung durch die Bezirksregierung.
  • Mitte Januar: Abgabe der Stellungnahmen aus den Kommunen zu den vorliegenden Entwürfen.
  • Mitte März 2010: Abschließende Kabinettsentscheidung zum Nationalpark Siebengebirge.
  • Ende März 2010: Zuleitung des Gesetzentwurfs an alle Partner der Rahmenvereinbarung mit der Bitte um Stellungnahme.
  • Bis Sommerpause 2010: Abschließende Stellungnahme der Kommunen zum Nationalpark Siebengebirge an das Landesumweltministerium.

Bürgerentscheid über Beteiligung

Am 27. September ist in Honnef nicht nur Bundestagwahl. Die Honnefer sind zudem zum Bürgerentscheid über den Nationalpark aufgerufen. Sie entscheiden, ob sich die Stadt am weiteren Verfahren zur Entwicklung eines Nationalparks beteiligen soll. Damit der Bürgerentscheid erfolgreich ist, muss ihm eine Mehrheit zustimmen. Zweite Bedingung: Diese Mehrheit muss mindestens ein Fünftel der Wahlberechtigten ausmachen, benötigt also zwingend etwa 4 000 Stimmen.

Artikel vom 07.09.2009  
Stand: 31.3.2012 - © 2010 NUA NRW